Verfasst von: LaScotia | Oktober 18, 2017

Freitag, der 13. – Der Abend

Wann hattet Ihr die Idee?, frage ich. 

Es war ein wunderschöner Tag gewesen, es tat so gut, alle Menschen, die mir lieb und wichtig sind, um mich zu haben. Okay. Fast alle. Nina und Bita waren verhindert. Aber wir wohnen hier ja auch nicht wirklich um die Ecke…

Die Gäste sind gegangen, es ist spät geworden. 

Oksana ist reingegangen und versucht, Boris zu beruhigen. Der ist noch so aufgedreht, dass er sich weigern will einzuschlafen. 

Die drei McSomething Kinder sind praktisch erschlagen von den vielen Eindrücken eines für sie viel zu langen Tages. Sie liegen im Koma.

Die Männer sitzen auf der anderen Seite des Feuers. Schwer bewaffnet mit einer Flasche eines volljährigen Torfmonsters von Islay verbessern sie die Welt. 

Ich habe meinen Arm um sie gelegt. Es tut so gut, meine Stiefmutter im Arm zu halten. 

Vorgenommen hatten wir es uns schon länger, weißt du. Dein Vater wollte dich unbedingt noch mal wiedersehen. Es wird ja eher schwieriger und komplizierter mit dem Reisen in Zukunft, meint er. 

Ja, mein lieber Vater. Der verrückte alte Mann. Wenn ich ihn da drüben so sitzen und mit seinem Schwiegersohn und dessen bestem Freund diskutieren und lachen sehe, überlege ich mir, wie es sein kann, dass ich heute ein Jahr älter geworden bin, während dieser alte Halunke immer jünger wird. 

Gerade noch rechtzeitig hatten sie es von Edinburgh bis zur letzten Fähre auf unsere Insel geschafft. Und ich habe es anfangs nicht glauben wollen, als durch das Dunkel der Bäume plötzlich diese Scheinwerfer näher kamen und Wendy und Dad aus dem Range kletterten. 

Tom Henry war müde von der langen Reise. Wendy hob ihn aus seinem Kindersitz und legte ihn auf die Rückbank des Range. Da schlief er die nächsten zwei Stunden noch. 

Und nun sitze ich hier neben der schönsten schwangeren Stiefmutter der Welt. 

Anfang März werde ich dann also noch mal Schwester. Ein surrealer Gedanke…

So plaudern wir eine Weile wie uralte Freundinnen, die sich lange nicht gesehen haben. Und ein Stück weit sind wir genau das. 

Als Oksana wieder an die Luft kommt und auf uns zu geht, sagt Wendy leise: Ihr schlaft miteinander, nicht? Ihr alle vier?

Ich bin sprachlos.

Woher weißt du das?, frage ich. 

Ich sehe, wie ihr euch alle anseht. Wie ihr euch berührt. Da ist mehr. Das ist nicht nur normale Freundschaft. 

Sagte ich schon, dass ich Wendy bewundere? Aufrichtig bewundere?

Versuch es für dich zu behalten., bitte ich sie, der alte … ‚Jack‘ muss es ja nicht mitkriegen.

Wendy lacht ihr rauhes, herzliches Lachen in den nachtschwarzen Hebridenhimmel. 

Nur ihre strahlend weißen Zähne sind zu sehen. 

Der alte Jack hat mich doch überhaupt erst darauf gebracht, Cami…

Verfasst von: LaScotia | Oktober 17, 2017

Freitag, der 13. – Der Nachmittag 

Soweit ein ganz normaler Tag im Leben derer von McSomething. 

Tiere füttern, für Ordnung und Sauberkeit in den Ställen sorgen (nicht nur in denen der Vögel und Schweine…), Essen vorbereiten. 

Nun bin ich überhaupt noch nie eine Freundin von größeren Partys zu meinen Ehren gewesen. Niemand kann was dafür, ein Jahr älter zu werden. 

Aber es ist Wochenende und Pete meinte, es sei doch eine tolle Sache, mal ein paar Freunde einzuladen und mit ihnen zu feiern. 

Ja sicher, er hat ja auch nicht die meiste Arbeit damit, aber egal. 

Jessi und Ricky hatten zugesagt, ebenso Andrzej und Agnieszka. 

Die hatten sich auch bereit erklärt, Shauna mitzubringen. 

Oksana und Ben dürfen natürlich nicht fehlen, sie werden mit Boris bis Sonntag bleiben, wie wunderbar!

Dann trudeln sie alle im Lauf des Nachmittags alle ein. 

Das Wetter meint es gut, wir haben erst mal alles draußen aufgebaut, ein Feuer flackert vor sich hin, mehrere Dutzend fangfrische Scallops warten auf ihre Zubereitung, für den Abend haben wir noch ein paar schöne große Hummer und jede Menge Langustines, wir werden also satt werden…

Jessi ist mit ihren Kindern allein gekommen, Ricky wird später am Abend für ein, zwei Stunden dazu kommen, wenn er Feierabend hat auf der kleinen Fähre. 

Ksana und Ben haben die 3 Uhr Fähre geschafft und sind gegen halb fünf bei uns. 

Ich habe Jessi versucht, darauf vorzubereiten, dass die beiden keine ganz „normalen“ Freunde sind, und sie sich bitte nichts dabei denken soll, wenn unsere Begrüßung etwas … nunja intimer ausfällt als man das sonst so von Freunden erwarten kann.

Zoë und Jack (der sein ängstliches fremdeln längst abgelegt hat und sich total gut mit Zoë versteht) toben irgendwo durch die Farnwälder und bestehen haarsträubende Abenteuer. 

Gillian, Sue und Boris finden es großartig, im großen Rudel zu spielen und jagen mit ihren Spielsachen durch Welten, die wohl nur Kinder so sehen und erleben können. 

John wird mal ein sehr guter Schauspieler werden. Mustergültig wie nie zuvor liegt er in seinem Kinderwagen und schläft. Ich fasse es nicht. 

Oksana und Jessi verstehen sich supergut, das freut mich sehr. 

Ich klatsche in die Hände, bitte mal kurz um Ruhe. Okay Leute.  Es sind alle da, und ich … ach was, bildet euch ein, ich hätte jetzt eine tolle Rede gehalten und mich bedankt und all das. Schätze,wir haben alle genug Hunger, dass wir uns mal um das Essen kümmern können. Also dann mal los. 

Als ich gerade ins Haus gehen und die Meeresfrüchte holen will, hält Peter mich zurück. 

„Leute.“, sagt er, „wir warten noch einen Monent, es sind noch nicht alle da, okay.“

„Dass Ricky erst heute Abend kommt, wissen wir doch, Teufel!“, sage ich und will das Kommando wieder an mich reißen. 

„Ich spreche nicht von Ricky, Schönheit. War ja lange angesagt, dass er erst weg kann, wenn die Fähre Feierabend hat. Wir warten noch einen Moment, okay…?“

Ich überlege krampfhaft, was ich übersehen habe. 

Zoë und Jack kommen aus den Elfenwäldern von ihren Abenteuern zurück. 

Sie sehen anders aus, irgendwie. Zoë hat Jacks Mütze auf und umgekehrt. Aha. Beide sehen aus wie die Frischlinge nach einem herrlich entspannenden Schlammbad. Jack setzt sich vor seine Mutter auf die nasse Erde, zieht einen Gummistiefel aus und kippt dessen Inhalt aus. 

Zoë stürmt auf Peter zu und ruft: „Wann kommt…?“

Peter reißt Princess No1 hoch drückt ihr einen Kuss aufs Gesicht und sagt: „Ruhe, Princess! Ruhe. Sie weiß doch nichts…“

Verfasst von: LaScotia | Oktober 16, 2017

Freitag, der 13. – Der Morgen

Es beginnt ja alles so harmlos. 

Früh am Morgen besagten Tages bekomme ich die Auflösung für das Rätsel, warum ich denn am Tag vorher unter gar keinen Umständen das Gästehaus betreten durfte. 

Ich befürchtete natürlich schon, dass der Strubbelige irgendwas aushecken würde, was entgegen sämtlicher Absprechen und Versprechen mit einer Art Geschenk oder so zu tun haben würde. 

Okay, die Lösung war einfach. 

Peter hatte mit seinen Prinzessinnen einen Kuchen für mich gebacken. 

Früh am Morgen jenes Dreizehnten, der nun also mal wieder auf einen Freitag fiel (und mir bisher – fingers crossed! – noch nie Unglück gebracht hat, kommt der tollste Daddy der Welt also mit seiner Nachkommenschaft ins Schlafzimmer geschlichen. 

Noch vor der Tür habe ich Zoë sagen hören: „Und Mom weiß nix?“

Ich nehme das als eine Art Signal und stelle mich schlafend. 

Der betörende Duft von frischem Kaffee strömt mit meiner Familie herein. 

Daddy fängt leise an, und Zoë singt mit ihrer leicht heiser klingenden Stimme mit. 

Gillian nicht, sie ist generell nicht sehr gesprächig, und Musik scheint für sie eher etwas für alte Omas oder so zu sein. 

„… happy biiiiirthday toooo youuuuu“

Na gut, ich muss mich ja mal blicken lassen und schlage die Decke beiseite. 

Vermutlich kann man es an meinem linken Busen deutlich sehen, wie sehr mein Herz gerade hüpft. 

Niemand sollte sich Geschenke wünschen, wenn er das haben kann:

Gillian steht ganz vorne, eine ganz große, ganz tolle, traumrote Rose in der Hand. 

Zoë etwas schräg dahinter. Sie balanciert einen kleinen Kuchen, auf dem eine kleine Kerze brennt. Ich höre schon wieder den empörten Aufschrei der gemeinnützigen Elternpolizei (vielen Dank liebe T. für diesen wunderbaren Begriff! Seitdem ich den kenne, kann ich so herrlich über diese Pfeifen lachen…) Wie kann man eine nicht mal Dreijährige mit offenem Feuer hantieren lassen. Kann man, Ihr schlauen Menschen. Kann man. Solange sie dabei unter Aufsicht ist, darf sie (fast) alles! Nehmt das und schweigt fortan.

Hinter den Prinzessinnen ragt der Strubbelige als Turm in der Brandung empor, mit John auf dem Arm. 

Ich setze mich auf. Auch wenn alles noch etwas schwabbelig aussieht, meine Bauchmuskeln kann ich schon wieder anspannen ohne das Gefühl zu haben, von innen zerfetzt zu werden. Es wird also…

Gillian guckt mich an, guckt ihren Daddy an und der nickt. „Go on, little princess”, sagt er und Gillian streckt mir strahlend die Rose entgegen. 

Ich bewundere die Blume, ihre vollkommene Schönheit. Nehme sie dem Engelchen aus der Hand und lege sie vorsichtig auf den Nachttisch. 

Schließe Gillian in die Arme, küsse sie und bedanke mich. Ich hebe sie zu mir aufs Bett, einmal über mich auf die Innenseite. Gillian kniet sich hin und stützt sich mit beiden Händen auf meinem Bauch ab. Aua…

Zoë erkennt, dass sie jetzt dran ist, sagt fröhlich: morning mommy. Happy birthday, und hält mir den Kuchen hin. 

Die Kerze in bedrohlicher Schieflage, ich richte sie etwas auf. Küsse meine Große und schwups!, turnt sie aufs Bett über mich rüber und an Gillians Seite. 

Zwei Kinder stützen sich mit vier Händen auf meinen Bauch. Verdammt noch mal!!!

Was wunschn!, kommandiert Zoë. Ich strahle sie an, gebe beiden Prinzessinnen noch mal einen Kuss. Werfe Pete einen Kuss durch die Luft zu, schnappe mir dann den Kuchen, hole tiiiief Luft – und puste die Kerze aus. 

Fröhliches Gejohle der Schwestern. 

Kaffee, Schönheit?, fragt Pete, und ich weiß nicht, wie er das macht, aber diese Stimme jagt mir regelmäßig Schauer über den Rücken. Und zwischen die Beine…

Ja Danke mein Held, einen kleinen Schluck. Ich glaube, du hast da einen sehr hungrigen kleinen Mr McSomething mitgebracht …

Peter legt mir John an die Brust und sich selbst neben mich. So, dass er seinen Kopf auf meine Beine legen kann. Der Bandit. 

Zoë und Gillian verfolgen es sehr interessiert, wie ihr kleiner Bruder sein Frühstück einnimmt. 

Peter versucht die beiden einigermaßen ruhig zu halten. Wäre sehr blöd, wenn sie jetzt auf mir herum turnen würden. 

Und der Tochter… pardon: Kindermacher hier direkt neben mir? Der entwickelt ein sehr fideles Eigenleben. 

Das ist ja jetzt wohl nicht dein Ernst, du Lump! Ich streichle ihn ganz sanft und ziehe dann die Decke über ihn. 

„Sag mal bitte…“, sage ich leise zu Peter, „wieso durfte ich denn nicht ins Gästehaus? Nur weil ihr da einen Kuchen gebacken habt?“

„Ja. Ja doch, so ungefähr…“

Während ich noch überlege, was mir diese Worte sagen sollen, fühle ich mich wie die McSomething‘sche Spielwiese. 

John nuckelt zufrieden an der einen Brust. 

Gillian spielt mit der anderen. 

Zoë patscht mit ihren Händen auf meinem Bauch herum, und was Pete da spielt, sollten die Zwerge besser nicht mitbekommen… 

Verfasst von: LaScotia | Oktober 13, 2017

Aus dem Häuschen 

… bin ich gerade. 

Selten erlebt man mich sprachlos. 

Heute schon. 

Alles weitere demnächst. 

Verfasst von: LaScotia | Oktober 12, 2017

Kleine große Persönlichkeiten

Wir lassen sie, wann immer es geht. 

Solange nicht Gefahr im Verzug besteht, sollen sie tun, was sie wollen. 

Unsere Kinder sollen einmal selbstbewusste, eigenständige Persönlichkeiten werden. 

Sie sollen eines Tages ihre Entscheidungen selbst treffen. Diese müssen sie dann vor sich selbst und ggf. vor anderen vertreten können. 

Da nützt es dann nichts, wenn Dad oder Mom gerade nicht da sind, um als Feuerwehr einspringen zu können. 

Okay, beim jüngsten Spross derer von McSomething, John Kendrick, ist das Volumen seiner eigenen Entscheidungen noch durchaus überschaubar. 

Sehr lautstark vertritt er seinen Anspruch auf unbegrenzten Zugang zu Moms Milchbar, und sobald dieser Forderung nachgekommen wird, ist seine kleine Hoheit sehr zufrieden. 

Das ist also noch einfach. 

Gillian Vanessa McSomething, little princess of the Isles No2, hat sich in letzter Zeit angewöhnt, im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit und hierarchische Position im Familienverband, sagen wir ruhig mal: Rudel, ihre Umgebung mit körperlicher Gewalt von ihrer Sicht der Dinge überzeugen zu wollen. 

Nun bin ich ein Mensch, der körperliche Gewalt zum Zwecke des Angriffs total ablehnt, und in dieser Ablehnung krachen hier gerade ein paar ausgewachsene Kontinentalplatten aufeinander. 

Da körperlich noch deutlich überlegen, gewinnt meistens Mom, was Gillian mit einer lautstarken Protestnote in der Klangfarbe eines vier- bis sechsfach gestrichenen hohen C zu missbilligen weiß. 

Ein Ton, der Kristall zerspringen lässt, und der allein aufgrund seines enormen Schalldrucks durchaus das Potential hat, die Erdanziehung zu überwinden und in mehreren Millionen Jahren die Bevölkerung eines fernen, heute noch unbekannten Planeten in einem anderen Universum zu schocken.

Emily Zoë McSomething, little princess of the Isles No1, spielt da schon ihre ganze Lebenserfahrung von zwei Jahren und elfeinhalb Monaten ganz cool aus. 

Wenn Zoë entscheidet, dass jetzt die richtige Zeit ist, um mit ihrer kleinen Stoffrobbe baden zu gehen, dann tut sie es. 

Sie trifft genau die Entscheidung, die sie in diesem Augenblick richtig und notwendig findet. 

Also zieht sie sich ihren Regenmantel an, ihre Gummistiefel und setzt sich die Regenmütze auf den blonden Kopf. 

Schnappt sich die Robbe und geht mit ihr baden. 

Draußen vor dem Hühnerstall. 

In der großen Pfütze. 

Dad muss allein zurückbleiben, denn er muss ja die hochfrequent gegen alles und jeden protestierende Gillian wieder versuchen, auf einen einigermaßen zivilisieren Weg der Kommunikation zu bewegen, und Mom wackelt mit John K. McSomething am Monsterbusen ( habe ich mich schon mal über diese riesigen Mistdinger geäußert? Nein!, fragt lieber nicht! Ich hoffe wirklich, die bilden sich irgendwann wieder zurück…) hinter der Erstgeborenen her. 

Stapfe sehr tapfer durch den waagerechten Regen der untergehenden Sonne entgegen und in einer sehr langen Diskussion gelingt es mir, Zoë davon zu überzeugen, dass die Pfütze nicht der richtige Platz für ein Stofftier ist, welches heute Nacht noch bei ihr, dem Prinzesschen, mit im Bett schlafen und auf sie aufpassen soll. 

Und wieder legt sie ihr kleines Köpfen auf die Seite, zwirbelt ihre langen Locken in der freien Hand (woher hat sie das, zum Honk?!) und strahlt mich dann an. 

Die Lösung kann ja so einfach sein, wenn Mom dabei ist. Nicht, dass Emily Zoë je einen guten Rat bräuchte, aber gut, dass man Mom den Eindruck vermitteln kann, jetzt gerade enorm wichtig zu sein. 

Halt ma!

Ein Kommando, auf deutsch in den nassen Hebridenhimmel hinausgebellt, in einem Ton, der jede Kompanie auf der Stelle ins Hab Acht knallen würde. 

Die eingeschüchterte Mom nimmt dem Prinzesschen die Robbe ab. 

Ob der Regen gut für John ist…?

Egal, für derlei pseudomedizinische Überlegungen ist keine Zeit. 

Zoë nimmt drei Schritte Anlauf. Wie ein Fußballer beim Elfmeter. 

Springt sehr konzentriert ab und …

Naja, was soll ich sagen…

Ich weiß, dass Blabla-Argumente Zoë nicht von dieser Aktion abgehalten hätten. 

Learning by doing ist das permanente Lebensmotto meiner Ältesten. 

Nie im Leben würde sie sich jetzt die Blöße geben, und ihren Fehler einsehen oder gar zugeben. 

Natürlich wird sie vom heutigen Tag an jede Pfütze, in die sie springen will, erstmal auf ihre Tiefe hin überprüfen. 

Kein einziges Wort eines Elternteils hätten Zoë jemals nachdrücklicher diese Lektion lernen lassen als das klatschnasse Resultat. 

Mit einer … ich würde mal sagen, sehr finsteren, aber beinahe aristokratisch-würdevollen Miene rappelt sich das nasse Kind auf. 

Sammelt den davonschwimmenden Regenhut aus dem kalten Wasser und stapft wortlos an mir vorbei Richtung Haus.  

Rechtzeitig vor der Tür hole ich sie ein. 

Stop, Princess!! Ja, auch ich beherrsche den militärischen Kommandoton. 

Ausziehen! Hier! Da, wo du hinwillst, dass nennt man Wohnhaus. Nicht Steinzeithöhle. Klar soweit?

Unfassbar, wie viel Wasser so ein paar Kleinkindergummistiefel beherbergen können. 

Und erst dieseKlamotten…

Es dauert nicht lange, und die Sippe derer von McSomething findet sich geschlossen und gemeinsam in der Badewanne wieder. 

Natürlich war das die Entscheidung der beiden Prinzessinnen, wessen denn auch sonst. 

Pete und ich klatschen uns leise ab. 

Zoë und Gillian kichern und lachen endlich wieder und John… 

wieviel kann so ein kleiner Zwerg eigentlich in sich reinschlürfen, ohne irgendwem ernsten Schaden zuzufügen…?

Verfasst von: LaScotia | Oktober 10, 2017

Penner, kosmische Leinwände und fremde Lieder

Und dann werde ich irgendwann wach. 

Muss echt eingepennt sein. 

John liegt an meiner Brust. Hat aufgehört zu trinken und schläft tief und fest. 

Über uns liegt meine geliebte, alte Wolldecke aus feinstem Skye Tweed. 

Die mich auf so vielen Reisen begleitet hat. 

An meiner Seite, nur ihr Stupsnäschen guckt raus, schläft Gillian. 

Ah ja. Deswegen kann ich meinen einen Arm nicht bewegen. Sie liegt darauf…

Ich höre auf die Geräusche meines Lebens. Meines Zuhauses. 

Tick

Tack

Tick

Bong

Tack

Die alte Wanduhr, knapp 160 Jahre soll sie auf dem Buckel haben, schlägt zur halben Stunde. 

Ein angenehmer, warmer, durchdringender wenn auch nicht aufdringlicher oder gar störender Ton, der zwei, drei Sekunden nachhallt. 

Knack

Zisch

Knack

Das Feuer im Kamin, es ist zur kleinen Glut zusammengeschmolzen. 

Wenn ich mich jetzt hier unter meinen Kindern herausschälen könnte, ohne sie zu wecken, dann würde ich das Feuer noch retten können.

Aber könnte nicht Pete…?

Ein leises, tieffrequentes Grollen drängt sich in mein Ohr. 

Ich bewege mich leicht nach oben. 

Lege Gillian vorsichtig aufs Sofa. John daneben. Wolldecke über die beiden. 

Ich setze mich auf. 

Muss erst mal zusehen, dass ich einigermaßen wach werde und wieder zu mir komme. 

Tick

Tack

Zisch

Knack 

Schnarch 

Peter sitzt mir gegenüber im Sofa. 

Ein Bein lang ausgestreckt, ein Fuß auf dem Boden. 

Das Buch, aus dem er Zoë die Abenteuer einer vorlauten Göre mit langen roten Zöpfen vorlas, die mit einem Affen und einem Pferd irgendwo im schwedischen Nirgendwo in einem kunterbunten Holzhaus lebt, liegt neben ihm. 

Unter seiner offenen Hand, die knapp über dem Buch in der Luft hängt. 

Von Peters Gesicht ist wenig zu sehen. 

Zoë hat ihre Arme um Daddys Hals geschlungen und pennt genauso tief wie der Rest der McSomething-Sippe. 

Naja. Fast. 

Ich stehe vorsichtig auf, nehme die andere, die neue Wolldecke. Die aus echtem Harris Tweed, aus der ersten Wolle, die wir von unseren eigenen Schafen zum ersten Mal selbst auf die Hauptinsel der schottischen Wollproduktion geschifft haben. 

Wenn diesen drei Quadratmetern feinster, handgesponnener Wolle nichts schlimmes passiert, dann werden unsere Kinder sie eines Tages an ihre Kinder weitergeben. 

Ich decke diese Wolle im Tartan unseres … okay: meines Clans über Pete und Princess No1. 

Gebe beiden einen vorsichtigen Kuss. 

Irgendeiner meiner vielen Knochen ist eingeschlafen. Oder noch nicht wach. Oder was weiß ich. 

Nach einigen Minuten gelingt es mir, das Feuer wieder anzufachen. 

Als die alte Dame an der Wand mir mit ihrem warmen, alten, angenehmen Ton mit vielfachem

Bong 

Klang mitteilt, wie spät es gerade ist, prasselt es lichterloh und verspeist gierig drei hübsche, dicke Holzscheite. 

Ich gehe kurz vor die Tür. 

Bei den Tieren ist alles gut, sie haben sich zur Nacht zurückgezogen. 

Draußen herrscht genau die Ruhe, die ich so liebe. 

Der Wind raschelt leise in den gelb werdenden Blättern und vergilbenden Farnen. 

Der Bach plätschert. 

Hat da eben ein Kauz gerufen? Hey kleiner Kerl, schön, dass du da bist. Ich hab dich lange nicht mehr gehört. 

Kurzer Blick nach oben. 

Völlige Dunkelheit. 

Es wird Regen geben. 

Nicht wie gestern und vorgestern, als prachtvolle Polarlichter den Himmel über uns stundenlang in eine Leinwand für einen mystischen Film über Elfen, Dämonen und nordische Götter verwandelt haben. 

Als ich zurück ins Haus komme, pennen sie immer noch alle. 

Ich mache mir eine heisse Schokolade. 

Kuschle mich wieder unter die Decke zu Gillian und John. 

Johnny, dieser typische Spross seines Vaters, nimmt dankbar zur Kenntnis, dass seine Lieblingsplätze wieder da sind und … hey! Ist ja gut! Du kriegst sie ja schon! Bandit! – sucht und findet sofort Moms Milchbar. 

Neben dem Kamin steht Peters Gitarre an der Wand. 

Ich schließe die Augen. 

Stillen beruhigt, das war schon bei den Prinzessinnen so. 

Sobald John zu trinken beginnt, falle ich in eine unfassbar wohlige, angenehme und sehr gut tuende Phase der völligen Entspannung. 

Es soll wohl an sowas wie genetischen Dingen liegen, an Millionen von Nervenenden in den Brustwarzen, die beim stillen irgendwelche Signale an kompliziert klingende Abteilungen des Gehirns senden und die Mutter so beruhigen, dass das Kind in Ruhe satt wird und dessen Überleben so sichergestellt sein soll. 

Aha. 

Tick

Tack

Tick

Bong

Schon wieder halb irgendwas. 

Peter wird wach. 

Wie sehr ich sein zerzaustes Gesicht in diesen Momenten liebe, sagte ich das schon?

Wenn er mich so ansieht, wie ich unseren Sohn stille, weiß ich, woher Zoë diese Leuchtstoffaugen hat. 

Er steht auf, trägt Zoë zu mir aufs Sofa und legt sie vorsichtig neben Gillian. Deckt beide wieder zu. 

Gibt mir einen Kuss. 

Das schlimme Wort mit L, das wir beide in einem lange zurück liegenden Leben so sehr gehasst haben, ohne je zu wissen, warum, es macht die Runde. 

Unsere Zungen berühren sich, und zum ersten Mal seit Wochen habe ich das Gefühl, dass seine Zunge wieder Signale an Regionen in meinem Körper sendet, die ich seit Johns Geburt nur mit dem Begriff Schmerzen in Verbindung bringen konnte. 

John ist – natürlich! – noch nicht fertig. 

Spielst du uns was?, frage ich ihn flüsternd. 

Der tollste Geologe der Welt versteht meine Frage. Küsst mich nochmal so wie ich es am liebsten habe und holt seine Gitarre. 

Singt ein wunderschönes Lied aus seiner Heimat in seiner Sprache. Ein Lied mit einem sehr schönen, melancholischen Text, den ich immer noch nicht ganz verstehe und einer sehr fröhlichen, lebhaften Melodie. 

Und ich liebe diesen Mann für die Art, wie er es singt. Dieses Lied. 

Dessen Text ich nicht verstehe, aber von dem ich weiß, dass es Emilys Lieblingslied war. 

Verfasst von: LaScotia | Oktober 7, 2017

Von U-Booten und Delphinen

Im Inner Sound fährt mal wieder ein U-Boot der Flotte Ihrer Majestät vorbei. 

Der Sund ist sehr tief und seit vielen Jahren als Übungsrevier für die U-Boote ausgewiesen. 

Wenn sie nicht da sind, jagen Orcas in Rudeln nach Robben und Heringen. 

Ihr braucht mich nicht zu fragen, was mir lieber ist. 

Direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Insel, sehen wir oft genug ganze Delphinschulen, die ausgelassen in der Bucht spielen und aus dem Wasser springen. 

Meine kleine große Zoë, die im nächsten Monat drei Jahre alt wird, fragt mich eines Morgens, was das da für ein komisches Ding sei. 

Ich erkläre ihr, es sei ein U-Boot. Den Atomantrieb und die Möglichkeit, mit den an Bord stationierten Atomraketen auf einen Schlag große Teile der Weltbevölkerung zu ermorden und ihre Länder auf Generationen hinaus unbewohnbar zu machen, verschweige ich. 

Sie kann diesen Wahnsinn noch nicht verstehen. 

Aber ich verstehe etwas, bei den täglichen Wanderungen mit meinen Kindern. 

Sie haben feine Antennen dafür, was hierher gehört und was nicht. 

Zöe hat mich ein einziges Mal nach den Delphinen und den Orcas gefragt und kapiert, dass die hierher gehören. 

Auch sie sind gefährlich. Sie sind keine Streicheltiere. Aber sie gehören hierher. 

Wie die Robben und die Adler und die Kormorane und die Basstölpel und die Skuas. 

Nach denen fragt Zoë nie. 

Nach den U-Booten immer. 

Und wir sehen sie in letzter Zeit öfter hier herumkreuzen. 

Es sind keine Verteidigungswaffen, die da draußen herumkreuzen. 

Wie soll ich ihr diesen Irrsinn erklären?

Und dann himmelt sie mich mit ihren Leuchtstoffaugen an und sagt:

Lass mal lieber paar Delphine gucken, Mom!“

Verfasst von: LaScotia | Oktober 7, 2017

Wünsche

….

Seht Ihr?

Soviel zu der Frage eines Lesers, was ich für Wünsche habe. 

Zum Glück schrieb er nicht, was „noch“ für Wünsche, denn dann hätte es gar keine Antwort gegeben. 

Ich wünsche Euch allen einen schönen und ebenso wunschlosen Sonntag. 

Eure Cami 

Verfasst von: LaScotia | Oktober 2, 2017

Unvorstellbare Wunder

Man mag es ja kaum glauben:

Nicht nur vor einigen Tagen, als das Auto kaputt war, sondern auch heute wieder war die Bande derer von McSomething für einen unvorstellbar langen Zeitraum unbeaufsichtigt. 

Der Säugling, das Kleinkind und das Kind machten mehr oder weniger ihr eigenes Ding. 

80 Minuten hat die verachtenswerte Rabenmutter ihre unbeschützten Küken allein gelassen. 

Unbeaufsichtigt. 

Unsäglichen Gefahren des täglichen Lebens auf unseren grausamen Inseln schutzlos ausgeliefert. 

Hmm…

Was soll ich sagen…

In der Zeit hat…

– Mom die Wäsche gemacht, mit ner Menge toller Leute telefoniert und einen Menschen sehr glücklich gemacht. 

– Gillian mit Daddy zwei tolle, große Hummer gefangen. 

– Zöe mit Boris lautstark Robin Hood und Marian gespielt. 

– John geübt, seine Umgebung auf sich aufmerksam zu machen. 

Wie?

Ach so…

Ja nee, doch schon. 

Wenn er die Hummerkörbe raufholt, hat er keine Zeit für was anderes. 

Robin und Marian machen generell ihr eigenes Ding, da stören die verknöcherten Alten nur. 

Johnny wird mal ein prima Musiker. Den störe ich lieber nicht während seiner Kompositionsphase…

Ben hobelt die allerletzten Holzfächen und Ksana…?

Ich könnte sie einfach nur auffressen vor lauter Lust. 

Alles tut mir nach wie vor weh, und so leid es mir für Pete tut, mehr als ein Blowjob ist zur Zeit nicht möglich, aber dieses Mädchen macht mich völlig wild… 

Bitte?

Ach so, ja…

Für die aufgebrachten Elternpolizistinnen und Erziehungswärterinnen sollte ich allmählich wieder klein bei geben. Die werden sonst wieder wild und kommen mir wieder mit ihren bestgemeinten Vorwurfsstories…

Ja, Ihr habt Recht. 

Wir sind so schlimme Schurken. 

Hmmm…

Tut mir leid, euch jetzt enttäuschen zu müssen, aber sämtlichen Kids geht es so supergut!

Geht also bitte woanders stören. 

Die Erwachsenen haben gerade mit was anderem zu tun…

Verfasst von: LaScotia | September 29, 2017

30 Minutes

Eine halbe Stunde. 

30 mal 60 Sekunden, Leute. 

Länger hat es nicht gedauert, dann war das ‚Last Dance‘ Konzert von Runrig in Sterling ausverkauft. 

25.000 Tickets. 

Weg. 

Zwei davon…

SIND MEINE!!!!!

There must be a place 

Under the sun…



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