Verfasst von: LaScotia | Juni 22, 2018

Ausgefalleno

Die „Entwarnung“ kam mit sagenhaften Schmerzen und einem Blutverlust, der normalerweise nicht mit dem Leben vereinbar sein kann.

Und so liege ich mit der wundervollsten aller nur denkbaren Wärmflaschen – meinem kleinen Johnny – im Bett, wimmere leise vor mich hin und warte darauf, wieder am McSomething’schen Leben teilhaben zu können.

Nein, es stört mich nicht. Mich stören Dinge nicht, die ich nicht ändern oder nicht verhindern kann.

Wenn es so wäre, müsste mich z. B. wettermäßig ziemlich vieles stören hier.

Tut es aber nicht.

Die Natur macht, was sie will, und diese schmierige, blutige und irgendwie doch sehr überflüssige Sch***e gehört nun mal zur Natur dazu.

So what.

Was mich allerdings kolossal anpisst: an diesem Wochenende sind Ksana und Ben hier.

Denen kann und will ich den Spaß aber nicht versauen (auch im wörtlichen Sinn nicht).

Und so liege ich hier oben mit einem heißen Tee und meinem wunderbar wärmenden und entspannenden Sohn auf dem Bauch, wimmere ihm leise irgendwelche Lieder vor und genieße sein glückliches, glucksendes Lachen.

Morgen Vormittag ist auch dieses rote Gewitter wieder über mich hinweggezogen und ich werde da unten aber mal so richtig für Stimmung sorgen!

So.

Wisstabescheid.

Verfasst von: LaScotia | Juni 19, 2018

Aufgespürt

Ein ruhiger Sommervormittag auf unserer Insel.

Der Wind schläft noch.

Die Sonne nicht.

Peter hat die Prinzessinnen mit aufs Schiff genommen, die drei sehe ich erst heute Abend wieder.

Ich lege Johnny nach dem Frühstück draußen auf die Felle. Da liegt er schön zentral und ich habe ihn immer im Blick.

Heute ist ein herrlicher Tag für die Arbeit im Garten.

Hühner und Gänse laufen frei draußen herum, und seit diesem Jahr sind unsere Schweine so fest eingezäunt, dass sie zwar noch immer viel Platz haben und sich nach Herzenslust im Dreck suhlen können, aber die Kinder kommen nicht mehr unbeaufsichtigt zu ihnen.

Schweine sind keine Streicheltiere, auch wenn unsere Bondgirls zwar sehr zutraulich und zahm sind.

Safety first.

Durch das offene Fenster höre ich das Funkgerät in der Küche losplärren.

Beim reingehen überlege ich mir noch, dass ich mir nachher, wenn ich wieder rausgehe, besser was anziehen sollte. Sonst werde ich wohl komplett zerstochen da draußen im Gemüsebeet.

Während ich kurz mit Peter rede und dabei Johnny zusehe, wie er draußen mit seinen Spielsachen seine kleine Welt erforscht.

Wir haben uns gerade verabschiedet, Peter und ich, als draußen die Gänse wild Alarm schlagen. Sie sind zuverlässiger als jede Alarmanlage und passen besser auf als ein Wachhund.

Ich höre doch tatsächlich ein Auto näherkommen.

Jessi kann es nicht sein, wir hatten am Morgen telefoniert und sie hat heute keine Zeit.

Auf dem Weg nach draußen schnappe ich mir Peters Holzfällerhemd vom Haken, ziehe es an und knote es vorm Bauch einfach zu.

Kurz überlege ich, ob ich vielleicht die Flinte mitnehmen soll, man weiß ja nie…

Und als ich so neben unserer guten alten LandyLady stehe und dem Analphabeten hinter dem Steuer des allradgetriebenen VW Busses zuschaue, wie er immer noch weiter ans Haus heranrumpelt, greife ich verstohlen dorthin, wo ich jetzt hoffe, den Rand meines Höschens anzufassen. Hatte ich schon was angezogen? Keine Ahnung, das ist normalerweise so unwichtig für mich.

Vielleicht 6 Meter hinter dem Landy bleibt man stehen.

Wieder zwei so Honks auf Tournee, die nicht in der Lage sind, Schilder zu lesen.

Es steigen zwei Männer um die zwanzig aus und glotzen mich an, als würden sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Frau sehen.

Ich sehe mich kurz um. Bei John ist alles in Ordnung. Er lacht und spielt.

Kann ich helfen?, frage ich.

Mit einem etwas französisch angehauchten Akzent übernimmt der Fahrer das Wort.

Tarnhose, Sportshirt, Sonnenbrille. Zu viel Bauch für zu wenig Lebensjahre.

Aha. Dieses rote Kennzeichen. Belgier.

Oui, oui, das ist sehr nett, ob ich mein Auto da mal wegnehmen könnte?

Ich habe schon einiges erlebt mit Touristen, die sich irgendwie zu uns verirrt haben, aber der war jetzt mal richtig gut.

Der andere, auch knapp zwanzig, zu dünn und zu wenig Haare auf dem Kopf, hat Schwierigkeiten, seine Augen bei sich zu behalten.

OK, Camilla Florence, lass ihn glotzen…

Warum sollte ich das tun?, frage ich den Fahrer.

Ich habe noch ein Haargummi ums Handgelenk und fange jetzt an, meine Haare hinten zum Pferdeschwanz zusammen zu sammeln.

Junge, nun guck nicht so! Die Dinger schaukeln zwar sehr süß, aber du kannst sie nicht sehen. Da ist dicker Flanellstoff vor…

Aaah oui, sagt der Fahrer, sie würden da jetzt gern weiterfahren zur nächsten Insel, und wenn ich mal so freundlich wäre, den Wagen da weg zu fahren, dann könnte er…

Stop!, sage ich sehr bestimmt. Was lässt euch glauben, das hier, zwei Meilen hinter dem Ende der öffentlichen Straße!, ein Weg ‚zur nächsten Insel‘ führen würde?

Aaah oui, sagt er und versucht zu ergründen, ob ich wirklich nur dieses Hemd anhabe, kann sein, wir haben uns verfahren, n’est ce pas?

Ich habe keinen Bock mehr auf diese Leute.

Nein, das halte ich für unwahrscheinlich, antworte ich, Ihr könnt nur nicht lesen, das ist fatal. Fahrt zwei Meilen zurück und versucht zu entschlüsseln, was das Schild am Parkplatz euch sagen will. Und dann schlage ich vor, besucht Ihr unsere Whiskydestillerie und nehmt die nächste Fähre zurück nach Skye, klar?!

Er hat Schwierigkeiten, sein klapperiges Campingauto zu wenden. Auch deshalb, weil der Dünne weniger seinen Fahrer lotst als vielmehr mich mit spätpubertären Blicken vögelt.

Als sie endlich gewendet haben und losfahren, biete ich ihren Rückspiegeln noch eine Abschiedsvorstellung. Drehe mich um, ziehe das Hemd aus und werfe es mir über die Schulter.

Ich winke ihnen zum Abschied mit meinem Arsch zu und tatsächlich: mit einem lauten KLANCK!!! hat der Dicke das tiefste mögliche Schlagloch da vorne vor der Kurve mitgenommen.

Also… ich fahre da immer so dran vorbei, dass LandyLady uns noch eine Zeit erhalten bleibt…

Verfasst von: LaScotia | Juni 18, 2018

Abgelehnt

Nachdenklich betrachte ich das kleine Gerät. Ich nehme das Ergebnis sehr neutral zur Kenntnis. Es ist eben wie es ist und es kommt wie es kommt, nicht wahr?

Wir haben hier keine Geheimnisse voreinander und es gibt demzufolge keine abschließbare Tür bei uns.

Natürlich schwingt die Tür zum Bad in dem Moment auf, als ich mir von diesem kleinen Testding prophezeien lassen möchte, ob wir demnächst einer mehr sein werden oder nicht.

Wat machst du da Mom?, fragt Zoë und bleibt in der Tür stehen.

Komm ruhig rein, Princess., sage ich und zeige ihr das Gerät.

Siehst du das? Mit diesem Ding kann ich feststellen, ob wir noch ein Baby bekommen werden. Würde dir das gefallen, Liebling?

Zoë guckt mich mit diesem unvergleichlichen Oh Gott, jetzt ist die Alte völlig bekloppt geworden!-Blick an.

Sie zwirbelt mit einer Hand ihre langen blonden Locken und greift mit der anderen nach dem Test.

Was immer Zoë für Erkenntnisse gewonnen haben mag, ihr Urteil ist eindeutig:

Nee! Wollen wir nich!

Na dann ist ja alles in Butter.

Nach drei tollen Kindern innerhalb relativ kurzer Zeit ist mein Körper noch ein Stück weit davon entfernt, wie ein Uhrwerk zu funktionieren.

Etwa seit Anfang des Jahres bekomme ich wieder Besuch der guten alten Tante Rosie, aber eben sehr unregelmäßig.

Mal nach drei Wochen, dann schon mal nach zwei, viereinhalb hat es auch schon mal gedauert.

Jetzt ist es fast sechs Wochen her, ich fand das schon mal Rechtfertigung genug, auf den Test zu pinkeln.

Aber gut, wissen wir halt Bescheid jetzt.

Streichen wir die Windeln vom Einkaufszettel und kritzeln stattdessen Tampons darauf.

Irgendwann wird die Sauerei ja dann wohl losgehen…

Verfasst von: LaScotia | Juni 17, 2018

Flachgelegt

Natürlich sind die drei jüngsten McSomethings diejenigen, die sich sehr vehement in den Vordergrund drängeln, als ich nach fast drei Wochen wieder nach Hause komme.

Die Rückreise vom Kap hat ohne Zwischenfälle geklappt, alles geruhsam und unaufgeregt.

Ich konnte Wendy mit gutem Gewissen allein lassen, sie ist eine bärenstarke Frau und wird zurechtkommen.

So sitzen die fünf McSomethings also am heimischen Feuer, und Mom muss erzählen, was sie so erlebt hat in der Zwischenzeit.

John und Gillian schlafen in meinem Arm ein. Zoë hält noch etwas länger durch, plumpst dann auf die Seite, ihr Kopf auf meinem Bein und schläft auch.

Peter steht irgendwann auf und gibt mir einen Kuss.

Einen von der Sorte, der Drüsen ihre Arbeit aufnehmen und Hormone rotieren lässt.

Ich sauge seine Zunge ein und will sie nicht mehr hergeben.

Drei Wochen war ich weg. Keine Ahnung, wann wir das letzte Mal solange getrennt waren.

Meine Stimme ist belegt, als ich endlich wieder sprechen kann.

„Los, lass uns diese kleinen großen Menschen in ihre Betten bringen, und dann erwarte ich, dass du mich ins Bett bringst!“

Er grinst nur.

„Schönheit, ich tue das, was ich die letzten Wochen getan habe. Ich bringe diese Terroristen eigenhändig ins Bett und dann komme ich wieder zu dir.“

Als Peter nach einer halben Stunde wieder kommt, bringt er einige Felle und die alte Wolldecke mit.

Breitet alles so dicht vorm Feuer auf dem Gras aus, dass wir es da schön warm, aber nicht zu heiss haben.

Er reicht mir die Hand.

Weiterer Worte bedarf es nicht mehr.

Wir ziehen uns gegenseitig aus.

Zungen auf Zungen, Zungen auf Haut.

Hände auf Haut, Hände in Haaren.

Ich hoffe, du hast deine Finger in den letzten Tagen von dir selbst fern gehalten, denke ich, das ist alles meins!

Wie ausgehungert fallen wir übereinander her, kämpfen mehr als dass wir uns lieben.

Große Mengen frischer Sahne zum Leben fluten meine gynäkologische Abteilung und verursachen dieses lustige, klebrige kitzeln, als Teile davon anschließend wieder aus mir heraus fließen.

Beim nächsten Mal, nach einer sehr kurzen Erholungsphase, übernehme ich die Führung, setze mich auf ihn.

Den Blick ins Feuer, die Wolldecke um meine Schultern und Rücken, Peters Hände unentwegt auf meinen Brüsten.

Seine Lieblingsspielzeuge, er hat sie endlich wieder. Und sie ihn…

Lange, sehr lange lassen wir uns Zeit dieses Mal, bis wir gemeinsam und synchron wie eine große Welle am Strand in uns zusammenbrechen und langsam den Sand hinauf auslaufen.

Kann mich nicht von ihm lösen. Will nicht. Will ihn genau da behalten, tief in mir. Still zuckend.

Umspiele ihn mit meinen lahmer werdenden Muskeln dort unten.

Unsere Zungen in endlosen keltischen Knoten ineinander verflochten.

Seine Hände in meinen Haaren, auf meinem Rücken, an meinem Po…

Langsam und mich kitzelnd gleitet der tollste Babymacher der Hebriden aus mir heraus.

Ich stehe auf, nackt und klebrig wie ich bin, decke ihn halb mit der Decke zu, lege neues Holz ins Feuer und gehe ins Haus.

Im Duty Free Shop in Heathrow habe ich einige Kleinode gefunden und mitgebracht.

Ich entscheide mich für den pfeffrigen 30-jährigen. Schenke uns beiden einen Dram davon ein und gehe wieder raus.

Eine laue Frühsommernacht empfängt mich, wir haben etwa 14°, es ist windstill und sternenklar.

Unser Feuer wärmt und zusätzlich.

Und ja, auch die brennenden Holzscheite sind sehr angenehm.

Wir stoßen mit dem Whisky an.

Genießen seine rauchige Schärfe.

Sitzen uns nackt gegenüber.

Reden jetzt über alles, was ich da unten, einen halben Planeten entfernt erlebt habe. Reden darüber, wie ich den Tod meines Dads erlebt und verkraftet habe.

Wie es Wendy mit den Kindern geht.

Den dunklen Teil dieser unfreiwilligen Reise lasse ich aus, ich möchte nicht mehr darüber sprechen. Nie mehr. Vorbei ist vorbei.

Wir fallen auf die Seite, kuscheln uns aneinander und schlafen ein.

Irgendwann werde ich wach. Liege mit meinem Kopf auf seiner Brust.

Seine Hand auf meiner Brust.

Nippel wird hart.

Camilla Florence dreht schon wieder durch.

Hand macht sich selbstständig. Kopf rückt dichter ans Geschehen heran.

Zunge unterstützt Hand.

Lippen und Zunge am Köpfchen, Hand an den Juwelen.

Schwellkörperchen, die tun, wozu sie von der Evolution genau dort platziert wurden, um zu tun, was mich glücklich macht.

Wenig später laufen die allerletzten Tropfen des wackeren Kämpfers meine Speiseröhre hinab, und ich dämmere wieder weg.

Kurz vorm einschlafen versuche ich kurz zu rechnen.

Welches Datum haben wir heute?

Hätte ich nicht irgendwann in der letzten Zeit meine Regel bekommen müssen…?

Verfasst von: LaScotia | Juni 16, 2018

Umgehauen

Ihr Lieben, ich danke euch von ganzem Herzen!

Was mir von Eurer Seite an lieben Worten in Kommentaren, Emails und auch sonst entgegen gebracht wurde, das hat mich echt umgehauen.

Ich möchte diesen Beitrag exklusiv für Euch nutzen, um Danke zu sagen.

Zu wissen und zu spüren, dass so viele großartige Menschen in dieser schweren Zeit an meiner Seite sind, an mich denken, und mir in den verschiedensten Formen dokumentieren, wie sie bei mir sind und mit mir fühlen, das hat mir unglaublich gut getan und sehr geholfen.

Ich kann es niemals oft genug sagen:

Ihr seid die besten Leser der Welt.

Ganz, ganz herzlichen lieben Dank für alles.

Ich umarme Euch alle!

Verfasst von: LaScotia | Juni 10, 2018

Beinaheschwestern

Es ist Blödsinn, dass du meine Stieftochter bist, Cami!, sagt Wendy ernst, ich sehe dich vielmehr als Schwester an. Uns beide verbindet so viel und ich liebe dich, und ich finde es so toll, dass du bei mir bist!

Wendy fällt mir um den Hals und bedankt sich.

Ich drücke sie.

Genieße ihre Nähe.

Sprich auch mit Jan, bitte! Er ist dein… du weißt schon.

Wendy sieht mich mit ihren Augen an, deren Farbe in einem unvorstellbar weit entfernten Universum, weit draußen, weit vor unserer Zeit entstanden sein muss.

Ein solch tiefes, glänzendes Dunkelschwarz findest du in keinem noch so schwarzen Kaffee dieser Welt.

Verzeih mir bitte meine Offenheit, sagt Wendy und drückt Fiona an sich, als müsse sie sie gegen einen Leoparden verteidigen, aber ich mag Deinen Bruder nicht. Er ist nicht ehrlich!

Nachdenklich blicke ich runter zum Gästehaus. Jan läuft auf der Terrasse hin und her.

Eine Art Frühstücksbrett verdeckt den Großteil seines Gesichts.

Telefoniert dieser Tesla-fährt-auf-Busspur-Schnösel mit einem iPad??

In dieser parkähnlich angelegten Anlage wirkt mein Bruder seltsam deplatziert.

Dies ist eine der guten bis sehr guten Wohngegenden von Cape Town, keine Frage.

Aber selbst hier macht einer in einem maßgeschneiderten Seidenanzug aus Hongkong in Kombination mit handgenähten Roy Robson Schuhen und einer 250,- $ Krawatte von Ermenegildo Zegna nicht den Eindruck, als gehöre er unbedingt hierher.

Übrigens: wäre es nach meinem feinen, wie eben beschriebenen Herrn Bruder gegangen, dem edlen Typen aus West-Oslo, der sich eine Zweitwohnung auf Aker Brygge, eine 14 Meter Yacht auf Bygdøy und eine Skihütte im (ehemaligen!) Olympiagebiet von Lillehammer hält, wäre dieses Anwesen natürlich längst abgewickelt („Wer will schon hier unten bei den Hottentotten wohnen, hey Cami, der Alte hatte doch sowieso ’ne Meise!“)

Nicht zum ersten Mal frage ich mich, ob mein edler Bruder – immerhin vierfacher Vater! – seine Rolle als Kerze auf der Torte nicht verspielt hat?

Der Kerl führt sich hier auf wie ein Goldgockel.

Dumm nur, dass keiner hier am Kap seine Sprache versteht.

Am Tag nach Daddys Begräbnis sitzen wir in einem sachlich schlicht eingerichteten Konferenzraum in der Praxis seiner – also Daddys – Anwaltskanzlei.

Ein Anwalt, dessen Haut dunkler ist als Menschen je in der Lage sein werden, dunkle Anzüge zu weben oder Kaffee zu kochen, verliest uns den letzten Willen des alten Jack.

Zehn Minuten später springt Jan auf, schreit (!) so etwas wie, er werde all diese „Scheisskaffer“ hier verklagen, die würden „alle ihres Lebens nicht mehr froh!“ und überhaupt könne er nicht ernstnehmen, „was diese Bimbos ihm jetzt mitteilen würden!“

Ich befürchte, wenn ich als Jans Schwester dessen Ausführungen vor einem ordentlichen Gericht in Südafrika bezeugen würde, wäre das, was der edle Schnösel aus West-Oslo bisher als freies Leben gekannt hat, schlagartig vorbei…

Ich überschlage kurz, welche furchtbaren Einbußen der feine Herr und sein widerliches Dreizentnerweib wohl werden hinnehmen müssen… : also wenn er seine 14 Meter Yacht in Bygdøy auftankt, sämtliche Segel unten lässt und nur mit Maschine fährt, sollte er zumindest bis nach

….

Uruguay kommen.

Ich grinse ihn an.

Wendy, sage ich, dieser feine Herr und ich, wir werden nicht in derselben Maschine zurückfliegen, egal was Jackie verfügt hat. 400 andere BritsAirways-Reisende können schließlich nichts dafür, dass ganz vorne in der Nasenspitze zwei dabei sind, die sich umbringen wollen..

Als mein ….

Stop, Restart:

Als Jan die Kanzlei verlässt, giftet er in meine Richtung:

Das vergesse ich dir nie, du Sau!

und während ich in seinem kleiner werdenden Rücken versuche, meinen Bruder wiederzuerkennen, legt Wendy mir ihre Hand auf die Schulter.

Lass ihn gehen, große Schwester. Es ist nicht gut, so jemand hinterher zu laufen…

Verfasst von: LaScotia | Juni 10, 2018

Nasenspitzendialoge

Er hatte alles vorbereitet.

Ja, er wusste, besser als jeder andere, dass sein Leben endlich sein würde.

Und so hatte Jack vorgesorgt.

Alles geplant.

Nur der Zeitpunkt war ihm nicht klar.

Sicher hätte Jack liebend gern noch ein wenig länger gelebt und sich an seinen beiden jüngsten Kindern und seiner süssen Frau erfreut.

Aber wer auch immer unsere Bücher schreibt, von wem auch immer das seine ins Regal gestellt wurde, er hatte offenbar andere Pläne.

Und so klingelt an einem strahlenden, hochsommerlichen Nachmittag im Mai mein Telefon…

Wir treffen uns am folgenden Tag in der First Class Lounge der British Airways in Heathrow, mein Bruder und ich.

Unser Dad hatte es so eingefädelt, dass wir im selben Flieger zwölf Stunden lang nebeneinander in der Nasenspitze der 747 residieren.

Ich habe keine große Lust, mit meinem Bruder zu reden, und schon gar nicht über Jack!

Die 14 Reisenden in der Nasenspitze des British Airways Jumbos haben mehr Platz als sonst jemand über den Wolken.

Sie genießen mehr Komfort als die meisten Menschen 7 Meilen unter ihnen auf der Erde und Sie können ihre Minisuiten mit einer jalousieartigen Schiebewand von der ihres Nachbarn abtrennen.

Zum hundertsten Mal gehe ich meine Checkliste durch.

Habe ich zu Hause wirklich alles so geregelt, dass Peter mit den Kindern die nächste Zeit allein klarkommt?

Immer wieder schweifen meine Gedanken ab. Wie geht’s Wendy? Hat der Alte Kracher wirklich so für Sie vorgesorgt, dass sie das Haus in Hout Bay halten und Henry und Fiona auf eine gute Schule schicken kann?

Nancy, die heutige Chefin hier vorne, schlägt einen Aperitif vor, bevor es nachher essen gibt.

Wann wurde mir zum letzten Mal ein Fünfgangmenü auf Sterneküchenniveau serviert?

Ich danke Nancy für ihre Freundlichkeit und bestelle einen Gin Tonic.

Als Nancy den zweiten bringt, klopft es leise an die Schiebejalousie neben mir.

Sie wird ein Stück weit aufgeschoben.

Können wir reden, Flo?

Ein Lächeln kann ich mir nicht verkneifen.

Flo…

Bilder aus einer lange untergegangenen Epoche stürmen in mein Hirn.

Flo…

Ich schaue meinem Bruder in die Augen. Schiebe die Trennwand ganz auf.

Flo, sage ich, so hat er mich immer genannt. Damals. Als wir noch versuchten, eine Familie zu sein…

Ein Blick auf die Uhr.

In 10 Stunden landen wir.

Soviel Zeit.

Hat Jack es absichtlich so verfügt? Dass seine beiden „alten“ Kinder nicht voreinander weglaufen können und endlich mal reden? Miteinander?

Ja, sagt Jan. Aber nicht nur Dad. Auch unsere Großmutter nannte dich so.

Nancy serviert einen Traum in fünf Gängen und räumt Geschirr, Besteck und Gläser wieder ab.

Jan will sie herausfordern und verlangt einen Linie Akvavit zum Abschluss. Nancy nickt lächelnd und schaut mich an. Ich entscheide mich für einen 14-jährigen aus Dads Heimatstadt.

Als wir uns zuprosten – Slàinte mtath – Skål – fangen wir endlich an zu lachen. Und zu reden.

Wir reden und reden.

In der Nacht stehen wir auf und setzen uns auf die Treppe zum Oberdeck. Hier haben wir das Gefühl, am wenigsten die Nachtruhe der anderen zu stören.

Die Passkontrolle am nächsten Morgen in Cape Town dauert gefühlt länger als sonst, weil die Beamten sich nicht sicher sind, ob die Gesichter in den Pässen wirklich zu denen der zauseligen Uhus vor ihnen gehören.

Vor dem Terminal empfängt uns Wendy.

Sie fällt mir um den Hals und schluchzt.

Dies ist der Moment, wo die Realität meine Schleusentore einreißt, und ich beginne zu heulen.

Auf der Fahrt nach Hout Bay erzählt Wendy uns, was passiert ist.

Der alte Jack…

Bei aller Trauer, bei all dem Schmerz, den er jenen hinterlässt, die fassungslos zurückbleiben, ich muss lächeln.

Da nimmt der alte Kracher sich einen Whisky und eine Zigarre, setzt sich in seinen Lehnstuhl auf der Veranda mit Blick auf den Ozean, und als Wendy ihn eine Stunde später dort suchen kommt, ist die Zigarre zu Asche verglüht und der Whisky leuchtet in tiefem Gold in der Abendsonne.

Keine Ahnung, ob es für sie ein Trost sein kann. Ich habe kaum jemandem ein solches Ende so sehr gewünscht wie meinem Dad.

Ich schenke mir einen kleinen Whisky ein, setze mich auf die Veranda vor seinem Haus.

Es ist kalt. Der Wind tobt.

Selbst hier sieht man, mit welcher Wut, mit welcher Wucht der Ozean an die Küste donnert.

Ja Daddy, dies ist ein guter Ort um Lebewohl zu sagen.

Ich wünsch dir so sehr, dass du Mama da oben wieder triffst. Sie würde sich so sehr über dein neues Glück freuen.

Ich hab dich so verdammt lieb, du alter Brummbär!

Verfasst von: LaScotia | Juni 8, 2018

Spätherbst

Dunkle Wolken jagen über den grauen Himmel.

Der Regen peitscht ebenso waagerecht die Gesichter wie er das zu Hause auch tut.

Ich liebe diesen Regen.

Unten in den zwei Ozeanen treffen sich gewaltige Schwärme der Großen Weißen zum Fressfest.

Die Robben sind da. Die Sardinen sind da. Jeder frisst jeden. Soviel wie möglich, denn wer weiß schon, wann es wieder was zu fressen gibt?

Okay, die Großen Weißen treffen sich. Schwärme bilden diese schweigsamen Einzelgänger nie.

Sie sind so anders als die Orcas bei uns. Von denen weiß man, dass sie ihre Alten nicht im Stich lassen. Dass sie von ihnen lernen und dass sie deren Wissen an die Jüngeren weitergeben.

Aber der Regen… dieser kalte, waagerechte Regen…

Er ist fast der gleiche wie bei uns.

Ich liebe ihn.

Niemand vermag Tränen besser wegzuwischen als dieser waagerechte Regen im Spätherbst…

Ein riesengroßer Seevogel fliegt über uns hinweg.

Vielleicht findet er das hier alles genau so schlimm wie ich?

Er kackt mir direkt auf meinem Mantel.

Helle Seevogelkacke auf dunklem Wollmantel.

Ja, Jack, das wäre aber ganz genau nach deinem Geschmack gewesen, nicht wahr?

Ich lasse die Rose mit einem Lächeln fallen. Und ich werde diesen letzten Gruß des alten „Jack“ mit nach Hause nehmen.

Niemals werde ich ihn von meinem Mantel abwischen.

Der Wind tobt.

Gewaltige Wellenberge versuchen die Klippen nieder zu schmettern.

Gischt vermischt sich mit Regen.

Und mit Tränen.

Vater unser der du bist im Himmel.

Ich glaubte nie an diese Worte und wofür sie stehen.

Lernte sie aber und spreche sie jetzt mit.

Mach’s gut, Jackie.

Es ist schön zu wissen, dass wir uns in deinen letzten, deinen vielleicht glücklichsten Jahren, so wiedergefunden haben.

Verfasst von: LaScotia | Mai 18, 2018

Das Lustbändchen

Jungs, Ihr kennt Euch aus.

Ja, Ihr wisst, was gut ist, nicht wahr?

Im Grunde seid Ihr doch alle Genießer und Spieler.

Ihr habt da so ein dünnes Hautbändchen, das die Vorhaut mit der Eichel verbindet. An der Unterseite von Eurem kleinen Auskenner.

Ich weiß ja nicht, wie es Euch dabei geht, aber wenn ich meinen Strubbeligen Teufel an diesem dünnen Hautbändchen mit der Zunge verwöhne und gleichzeitig seine Eier mit den Spitzen meiner Fingernägel … sagen wir mal stimuliere…

Wow!

Welch ein eruptiver Effekt.

Es kann nur manchmal passieren, dass sich die Töchter wundern, dass Daddy heute mal auf ihr rufen reagiert.

Was ja auch besser sein mag, wenn Mom die Schnauze voll hat.

Mit Erbgutträgern…

Verfasst von: LaScotia | Mai 12, 2018

Laangweilig

Da schreibt mir so ein „Thorben„, er würde die Gesamtklickzahl auf meinem Blog „aufmerksam verfolgen„.

Aha. Allein dafür müsste man dem ja schon eine Handvoll recht unbequemer Fragen stellen. Mir fällt da spontan das persönliche Zeitpotential ein, aber gut, vielleicht ist Thorben ja der glückliche Gewinner des Eurojackpots, aber aufgrund eines wie auch immer gearteten Handicaps an den Rollstuhl gefesselt?

So wie dieser kürzlich verstorbene Physiker vielleicht. Brillant im Kopf, aber der Körper nur noch Schrott?

Okay, wie auch immer, „Thorben“ verfolgt nun also intensiv die Klickzahlen meines Blogs und stellt fest, dass die ja gerade der „steilen Tendenz der SPD nach unten“ folgen würden.

Nochmal aha. Was genau, lieber „Thorben„, möchtest du uns denn nun mitteilen?

Wer von Euch, liebe Leser, diesen unsäglich überflüssigen Artikel bis hier tatsächlich verfolgt hat, so wie „Thorben“ es mit meinen Klickzahlen tut, der weiß es wahrscheinlich auch schon:

Die Inseldiva erlebt nichts mehr. Sie erzählt nichts mehr. Sie muss sich nur noch um ihre Gören und die Viecher kümmern.

Nicht mal mehr Sex hat die. Was fällt der ein?!

Mein lieber „Thorben“, ich möchte dir einen Tipp geben:

Da du ganz offensichtlich nicht zur Zielgruppe von Tinder gehörst, versuche es mal mit Youporn und sorge dort für höhere Klickzahlen!

Aber pass auf: deine Mutti führt bestimmt Buch über den Verbrauch deiner Papiertaschentücher…

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