Verfasst von: LaScotia | Februar 15, 2021

Eiweißschock?

Der Korb war zum Bersten voll.

Ein Hummer, der aber zu klein war. Den warfen wir zurück ins Meer. See you next time, buddy…

Aber unglaublich viele Langostines und sogar eine Handvoll Scallops hatte sich in den Korb verirrt.

Wir waren weit draußen, und allein die Rückfahrt nach Hause dauerte über drei Stunden.

In der Zeit übernahm Pete das Ruder und Zoë, und ich verschwand mit Gillian, John und Naomi unter Deck, versuchte sie noch so weit zu bespassen, dass sie bettschwer müde wurden und kümmerte mich dann um das Abendessen.

Die Scallops haute ich sofort in die Pfanne. Je vier für Pete und mich, eine für Zoë.

Habt Ihr je Scallops aus dem Meer geholt und nur wenige Minuten später nur mit etwas Olivenöl gebraten und direkt aus der Pfanne gegessen? Dann wisst ihr: es gibt legale Drogen, die wundersame Dinge bewirken…

Auch die Große wird irgendwann müde nach einem ganzen Tag auf See und ich bringe sie nach unten. Zähneputzen, kurze Gutenachtgeschichte, augenblicklicher Tiefschlaf.

Wie sehr ich Kinder für diese Fähigkeit beneide.

Als ich wieder nach oben ins Steuerhaus komme, wird es langsam dunkel.

Der Wind hat zugenommen, die Lady stampft durch unangenehm werdende, kabbelige Anderthalbmeterwellen durch den Minch unserem heimischen Sund entgegen.

„Tolle Scallops, Schönheit. Danke dafür.“, sagt Peter leise und tut so, als würde er weiterhin Instrumente und Kompass im Auge haben.

Ich habe viel gelernt in unseren Jahren auf der Insel. Sehr viel.

Ein Blick auf das Radar: wir sind sehr allein hier draußen.

Ein paar Tipps auf das Display der Navigation. „Navigate to…“

„Home“

Tipp.

„Auto on“

Tipp.

Das Steuerruder bewegt sich wie von selbst, Pete lässt es los. Die Lady möchte jetzt gern etwas weiter nach Steuerbord.

Ich gebe dem unglaublichsten, verrücktesten und tollsten Mann in meinem Leben einen Kuss.

Einen von der Sorte, die er versteht.

„Raus mit dir!“, sage ich, „mach den Grill an. Ich hole die Langostines. Die will ich jetzt. Und dann dich!“

Etwas mehr als eine Stunde später spüren wir draußen an Deck, wie Lady sich selbstständig etwas auf die Seite legt und nach Backbord in den Sund steuert.

Noch eine halbe Stunde, dann sind wir zu Hause. Entscheiden spontan, über Nacht an Bord zu bleiben. Es wäre blöd, die Kinder zu wecken, nur um sie eine Viertelstunde später wieder in ihre kalten Betten zu legen.

„Ich fahre gleich kurz nach oben und hole den Hund.“, sage ich, küsse ihn noch mal und merke in dem Moment, wo ich aufstehe, wie ich wieder auslaufe.

Es kitzelt.

Ich lache.

Peter flüstert mir im Wind das süße Wort mit L zu…

Verfasst von: LaScotia | Februar 14, 2021

Auf hoher See…

… und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand.

Sagt ein altes Sprichwort der Juristen.

Lassen wir mal die Advokaten und ihren Paragraphenkram links liegen und kümmern uns um den ersten Teil.

Wir sitzen dick eingemurmelt am Feuer.

Es ist noch hell, denn wenn es erst dunkel wird, ist es hier zu kühl.

Peter zupft auf seiner Gitarre herum, ich versuche meine kleine Geige zu stimmen und Zoë übt sehr stolz auf ihrer neuen kleinen Holzflöte.

Gillian und John spielen im Hof und bauen eine Skulptur aus Schnee, die …. Schwamm drüber, es ist toll, was sie da bauen und in ihrer Fantasiewelt ist die Form natürlich eindeutig erkennbar.

Pete und ich finden tonmäßig zueinander und spielen eine Melodie. Lachen. Zwinkern uns zu.

Zoë legt irgendwann ihre Flöte beiseite und sieht uns sehr ernst an. Zwirbelt ihre langen Haare und sofort stellen sich meine Nackenhaare auf und signalisieren Alarm.

Wenn die Prinzessin so guckt wie jetzt, heckt sie irgendwas aus.

Etwas großes.

Bedeutendes.

Die Sechsjährige legt ihr Instrument beiseite.

„Mom! Dad!“

Aha. Jetzt wird es also ernst…

„Ich brauch ein eigenes Boot!“, bellt die Prinzessin übers Feuer hinweg ihren erstaunten Eltern entgegen.

Ich versuche, so unaufgeregt und unbeeindruckt wie möglich, die gerade angestimmte Melodie weiterzuspielen und registriere wohl, dass Pete spontan ein, zwei Akkorde in den Sand setzt.

Darauf vertrauend, dass einsetzende Dunkelheit einerseits und konzentrierter Gesichtsausdruck andererseits meinen sich vehement von unten in den Vordergrund drängelnden Lachflash verdrängen, frage ich – wie ich hoffe – so ruhig und ernsthaft wie möglich:

„Wohin wirst du dann damit fahren, Liebling“?

Emily Zoë McSomething ist sechs Jahre alt.

Noch liebe ich sie für ihr unerschütterliches Selbstbewusstsein und ihre unerklärliche Zielstrebigkeit.

Mag sein, dass diese Liebe früher als befürchtet ins Gegenteil umschlagen wird, aber eine dunkle Stimme tief in mir mahnt mich zur Ruhe und erinnert mich an die ungefähr gleichaltrige Camilla Florence…

Mein Gott, ist das ewig her…

Wir wohnen, doziert Miniprofessor Zoë, auf einer Insel. Daher sei es nunmal notwendig über ein eigenes Boot zu verfügen, wenn sie denn…

… „die Welt da draußen sehen will!“

Und noch während meine Synapsen nach einer richtigen, erzieherisch korrekten, nicht verletzenden und gleichzeitig sehr verbindlichen Antwort suchen, legt Pete seine Gitarre beiseite, streckt die Arme nach seiner Erstgeborenen aus und ich merke, wie mich allein seine Stimme schon wieder willenlos macht:

„Komm mal her, Princess, was ist denn passiert?“

Tochter liegt in Vaters Armen und alles ist gut und gesagt und ich schwanke zwischen unendlichem Glücksgefühl und mordlüsterner Eifersucht.

„Mommy!!! Komma her!!!“

Gillians Stimme reißt mich aus diesen Gedankenwolken.

Und für diesen Moment vergesse ich, wo die Munition für unsere Jagdflinte sicher verschlossen versteckt ist.

Für diesen Moment bin ich einfach nur der größte Fan der kleinen Schneebande, die etwas abseits ganz allein einen… eine… also… Mischung aus Schneemann, Einhorn und Pinguin gebaut hat….

So hätte mir vor zwölf oder fünfzehn Jahren mal jemand den Begriff Liebe erklären sollen. Vermutlich hätte ich Sandra vorher noch zu Tode gevögelt und wäre dann selbst über Bord gesprungen.

Direkt ins Maul eines überraschten Orcas…

Verfasst von: LaScotia | Februar 5, 2021

Multifunktionsstute

Manche Dinge kann ich euch einfach nicht vorenthalten.

Gerade in diesen seltsamen, sorgenvollen Zeiten tut es doch so gut, mal herzhaft lachen zu können.

Nennen wir den Literaten, dem ich die neuste Fanpost verdanke, einfach mal Alex.

Alex hat nun, so schreibt er mir in offensichtlicher Unkenntnis der einfachsten grammatikalischen und Rechtschreibregeln, alles durchgelesen, was in meinem Blog im weitesten Sinne etwas mit Sex zu tun hat.

Da ist Alex schonungslos ehrlich, kackende Kleinkinder und stinkende Rindviecher interessieren ihn nicht.

Was ich aber alles so erlebe, wenn ich „aufm Rücken liegen tu“, das geht dann aber doch quasi direkt vom Lesegenuss in Alex‘ Leistengegend, und ich interpretiere seine Aussage „Hände und Schwanz habe jetzt blasen“ so, dass er offenbar mehr als einmal … sagen wir mal vorsichtig… Hand angelegt hat.

„Das war geil, ma so echt Druck abzulasen“

Und überhaupt, meint Alex, muss er das jetzt alles seiner Freundin lesen, damit „die auch endlich ma sone Multifunktionsstute werden tut“ wie ich eine bin.

So, Freunde, wisst ihr also Bescheid.

Man reiche mir ein Stück Würfelzucker und striegele mir die Mähne…

Schönes Wochenende euch allen.

Eure Multi… na, ihr wisst schon…

Verfasst von: LaScotia | Februar 4, 2021

Unappetitliche Randnotizen

Es mag den vornehmlich erotisch interessierten Leser nicht wirklich umtreiben, und ganz ehrlich, liebe Freunde, euer halbgarer SternchenGenderWahn ist für mich eher Ärgernis als Belustigung, aber falls jemand*in Wert*in auf diese(n) Beklopptheit*in legt, darf er/sie/es/divers sich hier gern outen und mir mitteilen, wie er/sie/es/divers sich denn artgerecht angeschrieben fühlen möchte.

Nein, ich werde es hier dann nicht umsetzen, aber ich werde im Stillen für mich selbst darüber herzlich lachen und euch dafür bewundern, wie wenig Probleme ihr sonst so zu haben scheint.

Naja, wie auch immer, das war nicht Thema … (gibt es eigentlich ein für diese w/m/d-Typen sprachlich korrektes Wort für „Thema“, an dem sich die jeweils anderen [andersdiversen/multilinguistisch/kaputtorientierten] Individuen/Kreaturen/Besserdenkenden NICHT stören?)

Wie auch immer, lasst uns zur Sache kommen.

Die riecht, die ist nicht direkt appetitlich, und sie ist zutiefst menschlich.

Denn alles, was oben sehr appetitlich und mundgerecht in die Futterluke eines Menschen reingestopft wird, wird am unteren Ende des Verarbeitungsapparates irgendwann wieder mehr oder weniger übelriechend herausgedrückt…

Camilla Florence und Peter Wiliam kriegen das seit sehr vielen Jahren schon sehr ordentlich, hygienisch und ohne fremde Hilfe hin.

Emily Zoë und Gillian Vanessa sind da ebenfalls sehr gut in der Spur.

Bei John Kendrick wird es langsam, wir versuchen es gerade, ihm nur noch nachts zur Sicherheit (seiner? unserer? Wer weiß…) eine Windel anzuziehen, und es wird dauernd besser!

Naomi Joanne genießt natürlich noch Welpenschutz.

Willy nicht mehr, weswegen er seit einiger Zeit draußen übernachtet, und aus seinem frostfreien Verschlag in der Werkstatt heraus Grund und Boden erfolgreich gegen allerlei Geziefer verteidigt…

Nicht, dass es Euch interessieren würde, aber ich bin es mal losgeworden…. 😉

Gute Nacht, Freunde 😘

Verfasst von: LaScotia | Februar 1, 2021

Wann???

Wann wird sowas hier endlich mal wieder möglich sein?

Habt Ihr Euch die Mühe gemacht, den kleinen verlinkten Artikel zu lesen?

Heute dürfen wir nicht mal mehr ohne triftigen Grund in die Nähe der Pier.

Ein Ticket für die Fähre bekommt nur, wer einen „sehr wichtigen Grund“ hat, die Insel zu verlassen oder zu betreten.

Wer mit dem Auto reist, darf es während der Überfahrt nicht mehr verlassen.

Es ist eine sehr kleine Community hier auf den Inseln.

Man kennt sich.

Respektiert sich.

Viele mögen sich.

Und ja, auch die Jungs auf der Fähre leiden.

Die allermeisten ihrer Fahrgäste außerhalb der Sommersaison sind Insulaner.

Also Freunde, Nachbarn, Kollegen, Familie…

Heute Nachmittag hatte ich Gänsehaut: Zoë wollte unbedingt mal wieder mit ihrem Murray reden.

Wir saßen im Auto an der Pier und sie telefonierte mit ihm.

Die Große weinte, als er oben auf der Fähre aus seinem kleinen Brückenhaus kam, das Telefon am Ohr und traurig zu uns herunter winkte: „Yeah, little princess… I miss you too. Take care, Zoë.“

Sie kapiert es nicht.

Und mir gehen langsam die Ideen aus, wir ich ihr diesen Wahnsinn erklären kann…

Verfasst von: LaScotia | Januar 27, 2021

Level 3

Ich werde ab und zu gefragt, wie denn bei uns die Beschränkungen wegen Covid-19 aussehen.
Nun, ich glaube, nicht wesentlich anders als überall sonst auch.
Die schottische Regierung hat diverse Maßnahmen erlassen, die nun eingehalten werden müssen.

Es gibt fünf definierte Level bei uns, von Level 0 (Nearly normal) bis Level 4 (Lockdown).
Wie es die Überschrift des Artikels aussagt, befinden wir uns auf unserer Insel zur Zeit im Level 3 (Very high).

Das bedeutet, dass wir uns zu Hause mit niemandem treffen dürfen, der nicht zu unserem eigenen Haushalt gehört, und draußen in der Öffentlich dürfen nur maximal 6 Leute aus max. 2 Haushalten zusammen sein.
Es gilt nahezu überall die Pflicht, Masken zu tragen und nach Möglichkeit darauf zu verzichten, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. (Das trifft uns natürlich besonders hart auf einer Insel, auf der es so etwas gar nicht gibt…)

Geschäfte haben geöffnet, aber auch da gelten sehr hohe Sicherheitsvorschriften wie Maskenpflicht, maximale Zahl der Personen im Geschäft und so weiter.

Restaurants haben teilweise geöffnet, nur leider nicht bei uns.

Wer uns besuchen kommen will in unserem schönen Land, sollte das bis auf weiteres bleiben lassen. Für die ganz Hartnäckigen gilt die Pflicht, einen negativen Covid-19 Test vorzulegen, der bei der Einreise nicht älter als 72 Stunden sein darf, aber auch dann muss der Besucher sofort für 10 Tage in Quarantäne.

Im Gegensatz zu den großen Gebieten mit Level 4 (Lockdown) dürften wir uns ja noch einigermaßen frei bewegen, wenn wir denn wollten, aber meistens wollen wir gar nicht.

Unsere Einkäufe bestellen wir jetzt in unserem kleinen Community Shop telefonisch oder per Mail und holen die dann da ab. Winken uns traurig aus der Distanz zu und fahren wieder nach Hause.

Die Schule ist geschlossen, sie sagen zur Zeit noch, bis voraussichtlich Mitte Februar. Aber dass sie dann wieder öffnen wird, halte ich vorsichtig formuliert für unwahrscheinlich.
So sitzt Zoë vormittags drei bis manchmal vier Stunden vorm Rechner und wird – mal mit Peters, mal mit meiner Hilfe – online mit Input bedampft.
Das ist alles andere als optimal, aber es ist eben wie es ist.
Für die Kinder wäre es natürlich sehr viel besser, sie würden sich sehen und auch die Pausen miteinander verbringen können.
Diese kleine Generation verpasst so das frühzeitige Erlernen sozialer Kompetenz, das ist online schlichtweg nicht vermittelbar.
Ich meine, sie müssen doch zusammen rumtoben können, um ihre „Hackordnung“ einzurichten und ihre Grenzen kennenlernen zu können. Und natürlich auch, um anderen ihre eigenen Grenzen aufzuzeigen.

Aber gut, das kommt vielleicht eines Tages alles mal wieder.

Für den Moment wollen wir ja nicht meckern, denn uns geht es gut, wir sind gesund, und alles andere ist erstmal völlig egal!

Ich hoffe, dass das für euch da draussen genauso gilt und dass ihr alle wohlauf seid.

Verfasst von: LaScotia | Januar 24, 2021

Knirschende Schritte

Mit der Familie raus an die Luft.

Die Kinder sehen aus, als würden sie zu einer Expedition ins ewige Eis aufbrechen.

6 frostige Windstärken und genauso viele Minusgrade machen es notwendig.

Alle jubeln und juchzen wild durcheinander.

Schneebälle fliegen durch die Luft, der Hund jagt ihnen hinterher und versucht sie zu fangen.

Über uns kreisen die Seeadler auf der Suche nach etwas fressbarem.

Peter und ich schlendern Arm in Arm hinter der fröhlichen Meute her.

John sitzt auf Daddys Schultern, Naomi auf meinen und die beiden großen Prinzessinnen müssen allein laufen.

Vor uns dieses traumhafte Winterpanorama.

Verfasst von: LaScotia | Januar 22, 2021

Der große Junge im Dreck

Manchmal braucht er seine Auszeit.

Diese Zeit für sich ganz allein.

Ich kenne ihn lange genug und weiß genug über ihn, es fraglos zu akzeptieren.

Auch ich habe solche Phasen und feste Termine, in denen ich nichts und niemanden auf der Welt sehen will.

Und heute, am 22. Tag des neuen Jahres, ist Peters Zeit für diese Zeit nur für sich.

Für sich, seine Dämonen und seine Vergangenheit.

Je älter und größer die Kinder werden, desto schwerer wird es für mich, sie davon zu überzeugen, Daddy heute bitte mal völlig in Ruhe zu lassen.

Natürlich wird seine selbst gewählte Auszeit nicht den gesamten Tag andauern, er wird schon von sich aus wieder kommen.

Ich lenke die Kinder ab, wir haben eine sehr lange und lustige Videokonferenz mit Ben und Oksana und den Kindern.

Danach dürfen sie mir helfen, einen Kuchen zu backen.

Ich bin eine lausige Kuchenbäckerin, aber noch geben sie mir das Gefühl, es gäbe nichts bedeutenderes auf der Welt, als mit dieser unfähigen Dilettantin die Küche in ein Schlachtfeld zu verwandeln, nur um eine Kuchensimualtion zu erzeugen, die nicht mal unsere Bond Girls fressen mögen…

Es ist Nachmittag geworden, als ich durchs Küchenfenster sehe, wie Pete das große Tor der Scheune zuschiebt und zum Haus kommt.

Still holt er sich seine Gitarre und will sich aus dem Schrank eine Flasche Whisky mitnehmen.

Es ist ein guter Tropfen, na klar, aber kein dem heutigen Tag angemessener.

Ich bin schnell bei ihm, lege ihm nur meine Hand auf den Arm und schüttele den Kopf. Nehme die Flasche und stelle sie zurück.

Als gute Gefährtin bin ich natürlich vorbereitet auf diesen Tag. Klappe die Sitzbank hoch und hole das Kleinod heraus, das ich dort vor ihm versteckt habe.

Hoch oben in den Bergen haben sie diesen Single Malt in jenem ganz besonderen Jahr destilliert und erst 35 Jahre später das Fass wiedergefunden und auf Flaschen gefüllt.

Wortlos formen seine Lippen ein „love you“ und er geht wieder raus.

Emily Zoë, Gillian Vanessa, John Kendrick und Naomi Joanne McSomething haben die ganze Zeit über keinen Mucks von sich gegeben und ich kann nicht sagen, wie stolz ich auf diese Bande bin!

Vielleicht eine Stunde mag vergangen sein, wir haben die Küche mit vereinten Kräften wieder aufgeklart, die Kinder und ich, da halte ich es für an der Zeit, mal nach ihm zu sehen.

Naomi muss ins Bett, Johnny und die beiden großen Mädchen dürfen noch etwas in ihren Zimmern spielen.

Wer mit wem und wo, das überlassen wir generell ihnen, solange es ohne einen Bürgerkrieg klappt.

Ich schnappe mir eine Strickjacke, eine Wolldecke und meinen Regenhut und gehe raus.

Sechs unangenehm kalte Windstärken treiben dicke und klebrige Schneeflocken fast waagerecht vor sich her.

Ich gehe um die Werkstatt herum.

Ja, na klar.

Genau dort hinten habe ich ihn vermutet.

Ein kleines Feuer in einer rostigen Metallschale trotzt flackernd dem Hebridenwetter im Winter.

Der große Junge sitzt daneben.

Im Dreck.

Er spielt leise und konzentriert auf seiner nassen Gitarre, den uralten Hut tief ins Gesicht gezogen.

Da, wo er jetzt in diesem Moment ist, herrscht gerade Sommer.

Mit milder Wucht rollen die Wellen des Indischen Ozeans an die Strände seiner Heimat.

Der Junge im Dreck, er hat in diesem Augenblick keinen Sinn für den bitterkalten Winter in diesem Land, das seine geliebte große Schwester niemals hat kennenlernen dürfen.

Leise und stumm setze ich mich zu ihm.

Zwischen uns steht der MacAllan. Ich schnappe mir die Flasche, natürlich hat der Junge im Dreck das Glas vergessen, und nehme einen Schluck.

Reiche ihm die Flasche.

Es dauert eine Weile, dann sieht er es und nimmt sie.

Der große Junge, er wischt seine Tränen nicht weg, als er mich ansieht und einen kräftigen Schluck trinkt.

„Happy birthday, Emily.“, sage ich, hauche ihm einen Handkuss zu, stehe auf und gehe.

„Schönheit!“, höre ich ihn nach ein paar Schritten rufen.

Lächelnd drehe ich mich um. Sehe ihn an.

„Ich liebe dich, Schönheit.“

Verfasst von: LaScotia | Januar 16, 2021

Was hält mich ab?

Nein, ich gehöre nicht zu denen, die es unbedingt nötig hätten. Klar.

Und doch finde ich es cool, dass man hier an mich denkt.

Offenbar an mich glaubt.

Und verdammt noch mal, jepp, ich fühle mich echt ge… bauchpinselt! So.

Nun ist es raus.

Soll ich es also machen?

Oder lassen?

Es hat so viele schwarze und weiße Seiten.

So viel zu bedenken.

Ich sollte jetzt mal einen kleinen Dram trinken und dabei ins Feuer singen…

Was meint ihr denn?

Verfasst von: LaScotia | Januar 12, 2021

Weiße Stille

Es ist still geworden.

Sehr still.

Bei uns und um uns herum ist es still geworden.

Aber auch überall auf den Inseln.

Wenn wir mal Leute treffen, dann sind alle still hinter ihren Masken versteckt.

Wir sind herzliche Menschen hier auf den Inseln, wir respektieren und wir mögen uns.

Nehmen uns auch mal gerne in den Arm, drücken dem Alltag gern mal auf die Pause Taste und tauschen uns über den neuesten Hebridentratsch aus.

Irgendwer weiß immer, was demunddem oder derundder von daundda gerade mal wieder passiert ist.

Dann erzählen wir und lachen und wünschen uns einen tollen Tag und freuen uns darauf, uns nächstes Mal wieder zu sehen und diese sensationellen Neuigkeiten spontan zu aktualisieren.

Wenn wir uns jetzt sehen, sind wir sehr still.

Nuscheln in unsere Masken rein und meckern wahlweise über die politischen Quatschköpfe in Holyrood und Westminster oder über die elend dämlichen Coronaleugner, die ja sowieso an allem Schuld sind.

Es gibt keine Möglichkeit mehr, das im Pub zu tun bei einem frischen Bier und einem kleinen Dram, mit Pfeilen in der Hand und einer leckeren Seafoodplatte auf dem Tisch.

So wird es immer stiller um uns herum.

Und dann gibt es aber auch diese andere Stille.

Diese wunderschöne, weiße Stille.

Nicht mal die kleinen dauerplappernden McSomething-Orgelpfeifen schaffen es, diese tolle Winterwunderstille ernsthaft zu durchdringen.

Und auf dem Weg nach Hause halte ich kurz an, weil ich Euch diese herrliche weiße Stille nicht vorenthalten will.

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