Verfasst von: LaScotia | Februar 24, 2016

Bettgedanken

Tage im Bett. 

Zeit zum nachdenken. 

Satt und zufrieden liegt das kleine Weltwunder in seinem kleinen Bettchen neben mir. Brabbelt leise vor sich hin und schläft wieder ein. 

Mein großes Weltwunder kommt nachher mit unserem ersten gemeinsamen Weltwunder her und bleibt den Vornittag über bei uns.

Und dann gehen meine Gedanken auf die Reise. 

Wie bin ich hierher gekommen?

Wie irre ist das alles, bitte sehr?

Gesichter, Ereignisse, Personen, Orte wuseln kreuz und quer durch meine Gedankenwelt. 

So viele dünne Fäden, die das alles miteinander verweben und in Form halten. 

So viele Fäden, die in der Vergangenheit gerissen sind und die ursprüngliche in eine andere Form gebracht haben. 

Einige sind dabei so zerfasert, dass sie nie mehr zusammengebunden werden können. 

Andere sind notdürftig geflickt und halten noch ein klein bisschen. 

Und dann gibt es diese Fäden, die mittlerweile so mächtig sind, dass sie nie mehr reißen können. 

Meine persönlichen Sicherheitsleinen. 

Aber trotzdem: wo, in welchem, in … wessen Bett würde ich wohl heute liegen (und mit wem), wäre der eine oder andere Faden früher oder später gerissen, wäre der eine oder andere Faden trotz aller Faserungen wieder zusammengeknüpft worden und würde halten?

Wie wäre wohl alles gekommen, hätte ich meine geliebte wilde Irre damals überreden können, das Angebot der Reederei für ein weiteres Jahr auf einem anderen Schiff anzunehmen?

Was, wenn ich ihren Traumprinzen nicht hätte ausstehen können? Jener Traumprinz, den ich mit ihr geteilt habe, wie man nur etwas teilen kann. 

Der jetzt mit seiner Traumprinzessin bald wieder ganz in meiner Nähe sein wird.

All diese Fäden. 

All diese Knoten.

Ja. Wenn ich könnte und dürfte, wenn man mich ließe, ich würde all diese Fäden wieder ganz genau so zu dem chaotischen Lebensnetz zusammenknüpfen, wie es sich heute darstellt. 

Mit einer Ausnahme…


Responses

  1. Wunderschön geschrieben…. *gänsehaut*

    • Danke dir, liebe Kari. Ich glaube, jeder hat diese Fadengeflechte, oder? Ich denke sehr oft über sie nach.

      • Ja, aber ich blocke das immer ab, denn ich kann nichts an ihnen Ändern. Ich betrachte sie nur, wenn ich mich selbst analysiere und irgendein Verhalten von mir zu verstehen (und ob das auf irgendwas zurückzuführen ist). Selbst das „Ich würde es noch mal genauso machen“ basiert ja auch nur auf dem Jetzt. Wer weiß, ob ein anderer Weg nicht noch besser gewesen wäre (was man sich natürlich weder vorstellen kann noch will wenn man im Jetzt so wahnsinnig Glücklich ist).

        • Ich stimme dir zu Kari, aber sag, hast du wirklich nie so einen „was wäre, wenn“-Gedanken und gestattest dir, ihn weiterzudenken?

          • Doch, die habe ich, aber ich denke sie nicht weiter. Ich verheddere mich sonst in den Strängen und mir spuken Entscheidungen, die ich getroffen habe, tagelang im Kopf herum.
            Ich bin der Meinung, man darf natürlich und sollte es auch, zurückschauen – auf die Entscheidungen, die man getroffen hat. Analysieren ob sie gut oder schlecht waren und versuchen, die schlechten nicht mehr zu treffen, bzw. zu schauen, ob die Entscheidungen, die man getroffen hat, da hin geführt haben, wo man hin wollte. Aber ich kann damit ja nur kommende Entscheidungen beeinflussen. Vergangenheit ist Vergangenheit und lässt sich ja nicht mehr ändern.

  2. Diese und ähnliche Fragen stelle ich mir auch sehr oft.
    Es gibt darauf keine Antworten.
    Es verweist uns nur darauf das wir neben allem was wir beeinflussen können am Ende auch das berühmte Quäntchen Glück brauchen.
    Liebste Grüße an Dich und Deine Rasselbande

    • Dankeschön. Du hast übrigens Post. 😘

  3. Das Glück schien echt auf Deiner Seite gewesen zu sein, aber vieles beeinflusst man auch unbewusst so, dass es in die richtige Richtung geht.
    Selbst schwere Schicksalsschläge lassen sich so gut verarbeiten.
    Und die Ausnahme wirst Du uns ja bestimmt noch mitteilen?! 😉

    • Als aufmerksamer Leser meines Blogs kommst du vielleicht selbst drauf… 😘

  4. Das Leben besteht wirklich aus einer ganzen Aneinanderreihung von Weichen, auf denen wir uns mit wechselnden Geschwindigkeiten und unterschiedlichen Richtungen bewegen. Hin und wieder laufen wir in Bahnhöfe ein, die Treffpunkte mit anderen Menschen markieren. Hier werden Menschen angekoppelt oder auch abgekoppelt. Die Menschen, die angekoppelt werden, bleiben uns erhalten. Eines führt zum anderen, alles hat irgendwo und irgendwann seine Bedeutung. Weil wir nicht stur immer geradeaus fahren, sondern weil sich unser Weg durch die Menschen, die wir an- und abkoppeln wieder verändert. Und ganz wie im richtigen Leben verpassen wir manchmal den richtigen Anschluss, um ihn vielleicht später doch noch herstellen zu können.

    Und leider werden manchmal durch tragische Unfälle (aber auch Nachlässigkeiten) auch Menschen von uns abgekoppelt, die eigentlich perfekt zu uns gepasst haben.

    Ich denke häufig über solche Fragen nach. Sitze teilweise wirklich, nicht im übertragenen Sinne, im Zug und bin beinahe erschlagen von der Vorstellung, dass jeder der Menschen, die ich sehe, ein eigenes Leben mit ganz eigenen Wegen und Weichen lebt. Dass sich jetzt, genau in diesem Moment, durch Zufall oder Schicksal ein neuer „Bahnhof“ ergeben könnte. Wenn nicht für mich, das sowieso nicht, dann vielleicht für andere. Etwa so, wie du an deinen strubbeligen Kerl gekommen bist, wenn ich mich richtig erinnere.

    Aber im Endeffekt hat Kari recht, wenn sie sagt, dass es besser wäre, solche Gedanken abzublocken. Man kann sich nämlich hervorragend in ihnen verlieren.

    • Das hast du so wunderschön und so treffend beschrieben!
      Ja, mein Strubbeliger…
      „…ich wusste, irgendwas war in meinem Leben geschehen.“
      So niedergeschrieben in diesem Artikel: Camilla und Peter – Wie es begann | Sahne zum Leben
      https://sahnezumleben.wordpress.com/2013/03/18/camilla-und-peter-wie-es-begann/

      Da war er noch gar nicht mein Strubbeliger. Da war er höchstens ein weiterer sehr, sehr, sehr dünner Faden in meinem Leben. Der sich dann irgendwann zur tragenden Haupttrosse entwickeln sollte.
      Wäre er damals gerissen, der Faden, so what, ein weiteres dünnes Stück Garn in der Decke des Lebens.
      Würde er heute reißen… besser, solche Gedanken abzublocken! In denen will ich nich nicht verlieren.

      • Nein, manche Gedanken sollte man sich nicht machen. Und ich drücke euch auch zukünftig alle Daumen, dass es nie dazu kommt sie sich machen zu müssen.

        • Danke. Drücke ich genauso zurück. 😘😘

          • Danke, kann ich brauchen! ❤

  5. Mag ich, diese Gedankenspielerei.

    Sowas mache ich sonst nie (selten, zumindest), aber da du ja auch gerne liest und es irgendwie passt – meine Gedankenspielerei:

    https://knowyourgods.wordpress.com/2015/09/10/paradies-gefunden/

    Liebe Grüße

    • Dankeschön. Hab es gelesen und kommentiert 😘

      • Dankeschön. Habe es gelesen und den Kommentar kommentiert. 😀

  6. […] gibt es zwei Antworten. Die Frage trifft einen Teil eines Gespräch mit LaScotia in den Kommentaren: “Ich würde es noch mal genauso machen.” Diese Aussage basiert […]


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