Verfasst von: LaScotia | Februar 23, 2016

Die erste Nacht

… liegt hinter uns. 

Gillian geht’s sehr gut, das ist die Hauptsache. Alle zwei bis drei Stunden ruft sie mit einer bemerkenswerten Lautstärke nach Mom’s Milchbar, futtert sich voll und schläft wieder. 

In der Nacht hat sie es sogar auf vier Stunden am Stück gebracht, welch eine Erholung. 

Mir selbst geht’s eigentlich ganz gut, bin noch ziemlich kaputt und wackelig auf den Beinen. 

In unserem „Kanpf“ hat mich der kleine Dickkopf ziemlich auseinander gerissen. Aber das vergeht alles wieder, am Donnerstag dürfen wir nach Hause und springe ich da wieder fröhlich über die Insel!

Zoë hat ihre kleine Schwester ziemlich verhalten begrüßt. Es macht ihr irgendwie zu schaffen, dass Mom plötzlich nicht mehr so einen riesigen Kugelbauch hat, auf dem sie so herrlich herumturnen kann. 

Und dann liegt da plötzlich so ein ganz neuer Mensch mit zerknittertem Gesicht auf Mom’s Bauch und nuckelt an ihrer Brust. 

Alles sehr, sehr eigenartig. Und dann riecht das hier auch so merkwürdig, und überhaupt: was ist das für ein komisches Bett, wo Mom nur allein reinpasst? In dem sie auf Knöpfe drückt und plötzlich mit dem Rücken nach oben fährt?

Nein, kleine Schwester im Allgemeinen und Hospital im Besonderen sind noch nicht so wirklich Prinzesschens große Favoriten. 

Shauna war auch hier, mit einem wundervollen Blumenstrauß, und hat Zoë dann wieder mit zu sich genommen. 

Und der Strubbelige?

Dem geht’s wieder gut, vor lauter Adrenalin hatte er seinen kaputten Finger erst hinterher bemerkt, aber es hat ihn schon sehr mitgenommen. 

Es muss mehr nach Schlachtfest ausgesehen haben als nach dem schönsten Moment für werdende Eltern, aber als er Gillian die Nabelschnur durchschneiden durfte, war er wieder der ganz große Held und Supermann. 

Gestern hat er hier bei mir gesessen, Zoë im Arm, mich im Arm, Gillian lag an meiner Brust, und er fing plötzlich an, Rotz und Wasser zu heulen. 

Stotterte was von „Familie“ und wie sehr er sich sowas immer gewünscht habe und wie sehr er mich dafür lieben würde, dass ich ihm dieses Gefühl schenken würde. 

Und ich habe vielleicht zum ersten Mal überhaupt begriffen, wie einsam Peter in all den Jahren „vorher“ gewesen sein muss. 

Ja. Es gibt diese Geschenke des Lebens. 

Den Mann, den ich liebe, dabei zu beobachten, wie er seine Töchter im Arm hält und vor Glück weint, das ist so ein Geschenk. 


Responses

  1. Herzlichen Glückwunsch noch zum Nachwuchs!
    Unser großer (2 Jahre jung) war von seiner kleinen Schwester am Anfang auch nicht sonderlich begeistert. Sein Kommentar: Das Baby schreit und motzt nur….
    Jetzt (nach 4 Monaten) ist seine kleine Schwester sein ganzer stolz.

    • Vielen Dank, lieber Heiko. Ich sehe das auch mit völliger Gelassenheit. 👍🏼😘

  2. Wie schön! *schnief*

    • Ja. Das ist wahr. ❤️

  3. Gänsehaut!
    Danke, dass du deine rührenden Gedanken mit uns teilst. 🙂

    • Ich danke euch fürs lesen und kommentieren. 👍🏼😘😘

  4. Jetzt muss ich auch ne Träne der Rührung wegdrücken… *schnief*

    • Habe mal ein Interview mit einem Clown gelesen: das Publikum zum Lachen zu bringen ist nicht die Kunst, sondern es zum weinen zu bringen und sich trotzdem dabei wohl zu fühlen. In dem Sinne: lieben Dank. 😘 *taschentuch rüber reiche*

      • Dankeschön, das war nötig – hab schon alles unter Wasser gesetzt! 😉

        • Oha. So schlimm?

          • *gggg* Nein, aber ich war schon ganz schön gerührt – vor allem über den Absatz übern Strubbeligen. Da spürte ich seine Liebe für dich aus den Zeilen quellen… und das ist soooooooo schöööööööööön!!!!!!! 😉

          • Ja das ist wahr. Etwas vergleichbares habe ich mit ihm nur damals in Berlin erlebt, als er stundenlang auf der Treppe vor meiner Wohnung saß und nicht reinkommen mochte aus Angst, ich würde ihn wieder wegschicken… Ich. Ihn. ❤️❤️❤️❤️

          • Das ist auch sehr sehr süß. Dafür möchte man Männer doch dauerknuddeln, oder?

          • Ja. Aber … was soll ich sagen. Ich fand unsere Fliegende-Tassen-Zeit auch … speziell. Spannend. Nicht, dass ich das so wiederhaben möchte, aber es hatte einen besonderen Reiz… 🙄

  5. Dies sind die Momente, die man sein Lebtag nicht wieder vergisst.

    • Stimmt. Dieser Moment ist so unvorstellbar wertvoll und kostbar. Hach!!! ❤️❤️


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